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Keine Sorten aus Protoplasten- bzw. Cytoplastenfusion im biologisch-dynamischen Anbau!
Ausgehend von Entwicklungen, die vorwiegend die konventionelle Gemüsezüchtung betreffen, hat der Forschungsring folgende Richtlinienänderungen beschlossen:
- Sorten, die aus Protoplasten- oder Cytoplastenfusion hervorgegangen sind, werden vom Anbau ausgeschlossen.
(Diese Richtlinienänderung ist seit Juli 2005 wirksam. Die Anbauer sollen sich nun an einer Negativliste orientieren)
- Keine Vermehrung von Hybriden auf Demeter-Betrieben.
(Diese Richtlinienänderung ist seit Februar 2005 wirksam)
Warum wurden diese Änderungen notwendig?
Hier einige grundlegende Argumente:
1. Ethische Aspekte
- Ist alles zulässig, was machbar ist?
- Wird eine Schöpfungsordnung beachtet?
- Nach welchen Gesichtspunkten wird Evolution der Kulturpflanzen betrieben? Im Rahmen dessen, was die Natur vorgibt, oder durch Übertretung natürlicher Kreuzungsbarrieren?
- Radieschen-Cytoplasma in Blumenkohl?
- Sonnenblumen-Cytoplasma in Chicoree?
- Patente auf Kosten der Biodiversität?
- Steigende Abhängigkeit der Bauern und Gärtner durch Entfremdung des Saatgutes!
- Abqualifizierung des Berufsstandes der Bauern und Gärtner, weil Reduktion auf die Dienstleistung "Anbau" und nicht mehr auf das "in-Kultur-halten" von Pflanzen!
- Das Denken sollte die Kategorie "Lebens-Mittel" umfassen, nicht nur das "Produkt"
- Züchtungscodex (IFOAM: wird gerade erstellt, ECO-PB, ABDP)
2. Qualitätsaspekte der Züchtung mit Protoplasten-/Cytoplastenfusion
- Nachlassende Bildekräfte (Vitalqualität oder "Innere Ordnung" der Lebensmittel).
Nicht zu verwechseln mit Vitalität bzw. Wüchsigkeit!
- Betonung des Wässrigen (weniger Trockensubstanz)
- Die allgemeine Widerstandskraft steht nicht im Vordergrund, sondern bestimmte Resistenzeigenschaften
- Mögliche Veränderung des Geschmacks
- Keine Kontinuität der Kräftewirkungen aus dem Umkreis von Züchtung bis Anbau
- Labortechnik bewirkt: Sorten reagieren weniger auf Umweltwirkungen, sind "erstarrt", reagieren kaum oder gar nicht auf biologisch-dynamische Präparate
- Es geht nicht nur "Natürlichkeit" verloren, sondern auch "Kulturfähigkeit"
- Solche Sorten sind nicht geeignet für eine ganzheitliche menschengemäße Ernährung
3. Kulturelle Aspekte
- Saatgut soll Kulturgut sein: das trifft nur auf nachbaufähige Sorten zu, die von Bauern und Gärtnern "in Kultur" gehalten werden können.
- Biologisch-dynamisch gezüchtetes Saatgut gehört dem gemeinnützigen Verein Kultursaat, ist nachbaufähig und damit Kulturgut!
4. Kritik an der Züchtungsmethodik Protoplasten-/Cytoplastenfusion
- Fusion von Zellbestandteilen ist nahe der Gentechnik oder schon Gentechnik.
- Die Methodik sowie das dahinter stehende Denken sind weit entfernt von dem Züchtungs-Leitbild der biologisch-dynamischen bzw. ökologischen Züchter.
5. Wirtschaftliche Aspekte
- Protoplasten-/Cytoplastenfusion dient
o dem Schutz vor Konkurrenz (Patentierbarkeit)
o der schnelleren Erzeugung von Saatgut
o der Monopolisierung in der Züchtung
Negativliste
Der Forschungsring hatte sich zuerst für eine Positivliste entschieden. Lesen Sie hier, warum nun eine Negativliste veröffentlicht wird.
Eine Verknüpfung der Information über die Züchtungsmethoden der einzelnen Sorten in der Datei OrganicXseeds.com war angestrebt. Durch mangelnde Kooperationsbereitschaft seitens der Züchtungsfirmen ist dieses Vorhaben jedoch gescheitert. Der Forschungsring sieht sich deshalb gezwungen, eine Negativliste zu erstellen und zu veröffentlichen. Die Negativliste steht auf der Internetseite vom Demeter e.V. als PDF-Datei zum Download frei.
Die Liste erhebt nicht den Anspruch der Vollständigkeit. Sie soll zunächst ein Signal setzen für biologisch-dynamisch wirtschaftende Betriebe und weitere Öko-Anbauer, sowie für die konventionellen Züchtungsfirmen. Das Signal soll sein: "Wir wollen keine Sorten im biologisch-dynamischen Anbau, die aus Züchtungen hervorgehen, die der Gentechnik nahe stehen oder je nach Rechtsauffassung möglicherweise schon als Gentechnik einzustufen sind."

Stand: 03.08.2006 14:05
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